Lüneburger Männerfrühstück

Lüneburg. „Männer sind wehleidig.“ Das meinen laut Umfrage einer Frauenzeitschrift jedenfalls 63 Prozent der Frauen. Sturheit, Durchsetzungskraft, Egoismus, Eitelkeit und Großspurigkeit sind danach weitere typisch männliche Eigenschaften. „Wir Männer geben Frauen gegenüber nicht das beste Bild ab“, kommentierte Helmuth Haase die Ergebnisse. Der Referent für die landeskirchliche Männerarbeit im nordöstlichen Niedersachsen sprach jetzt beim ersten Männerfrühstück, zu dem die Lüneburger Paulusgemeinde eingeladen hatte. Insgesamt 17 Teilnehmer diskutierten in Anlehnung an ein Lied  von Herbert Grönemeyer die Frage: „Wann ist ein Mann  ein Mann?“

So ohne weiteres wollten die Männer aus Lüneburg und Umgebung die Zuschreibung der Frauen indes nicht stehen lassen. Vermeintliche Wehleidigkeit könne auch Gespür für sich selbst bedeuten, gab ein Psychotherapeut zu bedenken. Ein anderer Teilnehmer fragte: „Was würden wohl Frauen sagen, wenn wir ihnen Wehleidigkeit unterstellen würden?“ Im Blick auf andere Einschätzungen äußerte jemand, wie „mann“ denn Durchsetzungskraft entwickeln solle ohne ein gewisses Maß an Sturheit. Geradezu kämpferisch klang dieses Votum: „Vielleicht ist es wichtiger, dass wir Männer uns gegenseitig in unseren Eigenschaften bestärken, als dass die Frauen uns verstehen.“

Es gibt viel Gesprächsbedarf zwischen den Geschlechtern, zog Helmuth Haase ein Fazit aus dem Gespräch. Dass sich im Selbstverständnis der Männer derzeit etwas verändert, belegte der Referent durch den Vergleich zweier Publikationen: Während eine Veröffentlichung von repräsentativen Befragungsergebnissen 2001 den Titel „Männer im Aufbruch“ hatte, wurde die aktuelle, von der katholischen und evangelischen Männerarbeit initiierte Studie unter der Überschrift „Männer in Bewegung“ herausgegeben.

Danach überdächten 19 Prozent der Befragten das traditionelle Rollenbild und repräsentierten den „neuen Mann“, der für die Kindererziehung beispielsweise den Beruf aufgibt, vorübergehend oder sogar auf Dauer.  Die Tendenz zum neuen Mann habe allerdings einen Dämpfer bekommen, berichtete Haase. Der Typ „Softie“ entspreche jedenfalls nicht dem Wunschbild der Frauen. Während 27 Prozent der Männer nach wie vor traditionellen Rollenmustern anhingen und 24 Prozent so genannte „pragmatische Männer“ auch die Vorteile der Frauenemanzipation zu schätzen wüssten, stelle die Gruppe der unsicheren und suchenden Männer mit 30 Prozent die größte dar.

Gerade für sie sei die kirchliche Männerarbeit da. Neben typisch männlichen Anteilen hätten Männer auch Eigenschaften, die im Allgemeinen Frauen zugeschrieben werden. „Wir Männer müssen lernen, beide Seiten in uns zu akzeptieren und wachsen zu lassen“, resümierte Haase.

Für Helmuth Haase war die Starthilfe für das Lüneburger Männerfrühstück eine der letzten Amtshandlungen. Nach 25 Jahren Tätigkeit in dem Bereich wird der Diakon am Sonntag, 11. November, um 10 Uhr in der St. Dionysius-Kirche zu Sittensen in den Ruhestand verabschiedet.  Den Gottesdienst gestalten der Direktor des Hauses kirchlicher Dienste, Ralf Tyra, Landes-Männerpastor Henning Busse sowie die Landessuperintendenten Dieter Rathing (Lüneburg) und Dr. Hans Christian Brandy (Stade). (mer)